Kann man von der Küche aus die Welt erobern?
Man kann, wie der gebürtige Sarde Claudio Melis,
Küchenchef im Restaurant „Zur Kaiserkron“, beweist.

Das Leben ist keine gerade Straße, sondern eine voller Kreuzungen. Besonders deutlich wird dies an der Vita von Claudio Melis, auch weil ihn seine kreuzungsreiche Straße durch weite Teile der Welt geführt hat.

Melis, gebürtiger Sarde, besucht die Hotelfachschule in Sassari, die er mit Höchstpunktezahl abschließt. Wie es sich für einen angehenden sardischen Koch gehört, verdient er sich seine Sporen an der Costa Smeralda, wo er auch auf einen einflussreichen Patisseur trifft. Dieser hat mit Koryphäen wie Gualtiero Marchesi und Frèdy Giradet zusammengearbeitet und erkennt das Talent in Melis.

Er ist es auch, der die Weichen im Leben des angehenden Küchenmeisters stellt: mit einer Einladung nach Mailand ins Restaurant von Marchesi. Dort werden Claudio Melis die Augen geöffnet, er weiß nun: das – und nur das – ist die Bestimmung eines Kochs.

Melis übersiedelt deshalb nach Frankreich, sammelt im Mutterland der Haute Cuisine Erfahrungen, arbeitet danach in Deutschland und wieder in Italien, um schließlich dort zu landen, wo er sein Erweckungserlebnis hatte: im Restaurant von Gualtiero Marchesi.

Dieses wird von nicht weniger als drei Michelin-Sternen geziert, die Erwartungen sind entsprechend hoch, der Stress ist enorm, ein Privatleben geht sich da kaum noch aus.

Deshalb verlässt Melis das Restaurant und nimmt mit 24 Jahren die Stelle eines Chefkochs bei Palizzi in Parma an. Zwei Jahre hindurch hält er dort den Michelin-Stern, verfeinert das Angebot und erweitert seine Kompetenzen, indem er sich immer mehr auch in die Verwaltung und Führung des Restaurants einbringt.

Nächste Station im Berufsleben von Claudio Melis ist Madonna di Campiglio, wo er ein Chalet übernimmt, es zwei Jahre lang führt und lernt, eine enge Beziehung zu den Gästen zu knüpfen. Zudem verliebt sich Melis in die Berge und dort bleibt er, auch wenn sich seine Wirkungsstätten ändern: zunächst das Hermitage, danach das „La Siriola“ in St. Kassian, ein Restaurant im Besitz der Familie Wieser.

Im „La Siriola“ tritt Melis das Erbe von Corrado Fasolato an, der für eine kompromisslose Küche bekannt ist. Diese Linie führt der neue Küchenchef so erfolgreich fort, dass er 2008 bereits für nicht weniger als 240 Mahlzeiten täglich verantwortlich zeichnet.

Gleichzeitig lernt Claudio Melis seine spätere Frau Monica kennen, mit der er 2010 nach Saudi Arabien geht. Dort übernehmen die beiden das Restaurant „La Cucina“ in einem enormen Hotelkomplex und bauen es von überschaubaren 30 Mahlzeiten am Tag zu einem erfolgreichen Betrieb mit 90 Mahlzeiten mittags und 180 abends aus. Melis‘ Küchenphilosophie erweist sich erneut als die richtige.

In dieser Zeit lernt der sardische Küchenchef auch Gert Kopera kennen, einen der führenden Köpfe der Hotelkette Rosewood. Von Mentor Kopera wird Melis nicht nur in die Geheimnisse der Führung großer Gastronomiebetriebe eingeweiht, sondern steigt auch in der Firmenhierarchie auf.

Kopera, der in der Zwischenzeit das Jumeirah führt, holt ihn 2012 nach Dubai. Gemeinsam bauen sie die Gastronomiesparte von Koperas neuem Arbeitgeber um und schaffen eine von den Hotels nahezu gänzlich abgekoppelte Restaurant-Organisation – eine völlige Neuheit in einem Sektor, der Innovationen traditionell skeptisch gegenübersteht. Claudio Melis übernimmt die Verantwortung für den italienischen Zweig der Restaurantsparte, beendet diese Erfahrung allerdings 2015.

In diesem Jahr entscheidet sich Melis, mit seiner Frau Monica nach Südtirol zurückzukehren, um deren Bruder Robert bei der Führung des Traditionsrestaurants „Zur Kaiserkron“ zu unterstützen und ein ganz neues kulinarisches Angebot in der Landeshauptstadt zu schaffen.